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Falsche
Brünette aufgepasst:
Haarfärbemittel
können Allergien auslösen
Christina
Aguilera hat es getan, Renée Zellweger tut es hin und wieder,
und neuerdings färbt sich sogar Nicole Kidman die Haare
dunkel. Ob die schönen Frauen deshalb bereits an einer
Allergie leiden, ist nicht bekannt. Viele andere Nutzer von
Haarfärbemitteln haben das Problem aber am eigenen Leib
erfahren. „Wir sehen immer wieder Patienten mit schwersten
Kontaktallergien an der Kopf- und Gesichtshaut durch Haarfärbemittel“,
sagt Professor Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher
Allergologen (ÄDA). Verantwortlich für die Überempfindlichkeitsreaktionen
sind meistens die Substanz p-Phenylendiamin (p-PD) oder
chemisch nah verwandte Stoffe. Sie werden insbesondere dunklen
Haarfärbemitteln zugesetzt und sollen für intensivere Farbe
sorgen. Die Rückfrage bei einem Hersteller ergab, dass die
Substanzen praktisch in allen dauerhaften Haarfärbemitteln
enthalten sind. Es gäbe, so die Auskunft, bislang kaum
Alternativen, die eine ähnlich gute Farbdeckung bei
gleichzeitig hoher Beständigkeit gewährleisten.
Dramatische
Beschwerden
„Die
Beschwerden bei einer Allergie gegen p-Phenylendiamin können
dramatisch sein“, erläutert Fuchs. „Einige Tage nach dem
Färben kommt es zu starkem Juckreiz sowie zu teilweise
entstellenden Hautveränderungen wie Rötungen, Schwellungen,
Bläschen- und Knotenbildung. Die Hautschäden ziehen sich oft
trotz konsequenter Therapie über Wochen und Monate hin.“
Zur Behandlung der Kontaktallergie kommen in erster Linie
Salben, Cremes oder Lotionen mit Kortison zum Einsatz, in
schweren Fällen auch Kortison-Tabletten.
Tattoo
als Wegbereiter der Allergie?
p-PD hat
schon öfter für negative Schlagzeilen gesorgt. Die Substanz
steckt zum Beispiel auch hinter vielen schweren allergischen
Reaktionen nach Henna-Tattoos.1 Den dabei
verwendeten Farben wird nämlich oft p-PD zugesetzt.
Vermutlich sind Henna-Tattoos in manchen Fällen sogar der
Auslöser einer Allergie auf Haarfärbemittel. Weil die
verwendeten Tattoo-Farben p-PD in sehr hoher Konzentration
enthalten, kommt es relativ häufig zur so genannten
Sensibilisierung – das Immunsystem „merkt“ sich die
Substanz und setzt bei jedem zukünftigen Kontakt eine
Abwehrreaktion in Gang. Hat das Tattoo zur Sensibilisierung
geführt, reichen künftig auch die viel geringeren Mengen an
p-PD in Haarfärbemitteln aus, um Beschwerden zu verursachen.
„Das bedeutet aber nicht, dass der Allergie gegen Haarfärbemittel
immer ein Henna-Tattoo vorausgegangen ist“, schränkt Fuchs
ein. „Auch durch wiederholtes Haarefärben kann es zur
Sensibilisierung kommen.“ Weil p-PD darüber hinaus in
vielen dunklen Stoffen enthalten ist, kann der Hautkontakt mit
entsprechenden Kleidungsstücken ebenfalls Allergien
verursachen.
Eine
Berufsgruppe, die aus nahe liegenden Gründen relativ häufig
betroffen ist, sind Frisöre. Bei ihnen tritt die
Kontaktallergie bevorzugt an den Händen auf. „Frisöre
sollten beim Kontakt mit Haarfärbemitteln und anderen
Haarkosmetika konsequent Handschuhen tragen“, fordert Fuchs.
„Sonst ist eine Kontaktallergie fast vorprogrammiert.“
Neben p-PD und seinen Verwandten gibt es eine Reihe anderer
Substanzen in Haarkosmetika, die Allergien hervorrufen können.
Eine aktuelle spanische Studie macht allerdings deutlich, dass
mehr als die Hälfte der beruflichen Hautprobleme bei Frisören
auf p-Phenylendiamin zurückzuführen sein dürften.2
Haarfärbemittel
nicht selber auf Überempfindlichkeit testen
Ein
allergologisch geschulter Facharzt kann die Allergie gegen
p-PD mithilfe eines Hauttests zuverlässig nachweisen.
Kritisch sieht Fuchs dagegen den Tipp vieler Hersteller, Haarfärbemittel
zunächst an einer kleinen Stelle hinter dem Ohr oder am
Unterarm aufzutragen, um selber auszuprobieren, ob man
allergisch reagiert. „Dadurch kann eine Sensibilisierung
stattfinden und die Allergie überhaupt erst entstehen“,
warnt der Allergologe. Weil die Sensibilisierung gegen p-PD
nach dem Hautkontakt manchmal sehr schnell erfolgt, raten
Allergologen inzwischen sogar davon ab, p-PD routinemäßig in
Allergietests an der Haut einzusetzen – denn auch durch
den Hauttest kann eine Allergie provoziert werden.
„Patienten mit Symptomen sollten nur bei konkretem Verdacht
auf eine p-Phenylendiamin-Allergie untersucht werden, also zum
Beispiel wenn sie häufig Haarfärbemitteln ausgesetzt sind,
nach dem Haarefärben Beschwerden bekommen oder die ihre Haut
mit Henna-Tattoos verziert hatten. So lässt sich das Risiko
einer Allergieauslösung durch den Allergietest selbst
minimieren.“ Ist eine Allergie auf p-PD festgestellt worden,
bleibt eigentlich nur eins – man muss der Substanz und
verwandten Stoffen konsequent aus dem Weg gehen. Das ist gar
nicht so einfach: p-PD ist zum Beispiel oft in schwarzer
Kleidung, schwarzen Schuhen, Handschuhen, Portemonnaies,
Fahrradgriffen, Lenkrädern und sogar in manchen dunklen
Brillengestellen enthalten. „Es gibt immer wieder Ekzeme,
die auf den ersten Blick völlig rätselhaft sind“, so
Fuchs. „Wer denkt bei Hautveränderungen im Bereich der
Brillenbügel schon an p-Phenylendiamin? Da muss man als
Allergologe oft richtige Detektivarbeit leisten.“
1
Lippert U et al.: Allergologie, Jahrgang 24, Nr.
6/2001: 261-264
2
Valks R et al.: Dermatitis 2005; 16: 28-31
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