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Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)

28. September 2005


Falsche Brünette aufgepasst:

Haarfärbemittel können Allergien auslösen

Christina Aguilera hat es getan, Renée Zellweger tut es hin und wieder, und neuerdings färbt sich sogar Nicole Kidman die Haare dunkel. Ob die schönen Frauen deshalb bereits an einer Allergie leiden, ist nicht bekannt. Viele andere Nutzer von Haarfärbemitteln haben das Problem aber am eigenen Leib erfahren. „Wir sehen immer wieder Patienten mit schwersten Kontaktallergien an der Kopf- und Gesichtshaut durch Haarfärbemittel“, sagt Professor Dr. Thomas Fuchs vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA). Verantwortlich für die Überempfindlichkeitsreaktionen sind meistens die Substanz p-Phenylendiamin (p-PD) oder chemisch nah verwandte Stoffe. Sie werden insbesondere dunklen Haarfärbemitteln zugesetzt und sollen für intensivere Farbe sorgen. Die Rückfrage bei einem Hersteller ergab, dass die Substanzen praktisch in allen dauerhaften Haarfärbemitteln enthalten sind. Es gäbe, so die Auskunft, bislang kaum Alternativen, die eine ähnlich gute Farbdeckung bei gleichzeitig hoher Beständigkeit gewährleisten.

Dramatische Beschwerden

„Die Beschwerden bei einer Allergie gegen p-Phenylendiamin können dramatisch sein“, erläutert Fuchs. „Einige Tage nach dem Färben kommt es zu starkem Juckreiz sowie zu teilweise entstellenden Hautveränderungen wie Rötungen, Schwellungen, Bläschen- und Knotenbildung. Die Hautschäden ziehen sich oft trotz konsequenter Therapie über Wochen und Monate hin.“ Zur Behandlung der Kontaktallergie kommen in erster Linie Salben, Cremes oder Lotionen mit Kortison zum Einsatz, in schweren Fällen auch Kortison-Tabletten.

Tattoo als Wegbereiter der Allergie?

p-PD hat schon öfter für negative Schlagzeilen gesorgt. Die Substanz steckt zum Beispiel auch hinter vielen schweren allergischen Reaktionen nach Henna-Tattoos.1 Den dabei verwendeten Farben wird nämlich oft p-PD zugesetzt. Vermutlich sind Henna-Tattoos in manchen Fällen sogar der Auslöser einer Allergie auf Haarfärbemittel. Weil die verwendeten Tattoo-Farben p-PD in sehr hoher Konzentration enthalten, kommt es relativ häufig zur so genannten Sensibilisierung – das Immunsystem „merkt“ sich die Substanz und setzt bei jedem zukünftigen Kontakt eine Abwehrreaktion in Gang. Hat das Tattoo zur Sensibilisierung geführt, reichen künftig auch die viel geringeren Mengen an p-PD in Haarfärbemitteln aus, um Beschwerden zu verursachen. „Das bedeutet aber nicht, dass der Allergie gegen Haarfärbemittel immer ein Henna-Tattoo vorausgegangen ist“, schränkt Fuchs ein. „Auch durch wiederholtes Haarefärben kann es zur Sensibilisierung kommen.“ Weil p-PD darüber hinaus in vielen dunklen Stoffen enthalten ist, kann der Hautkontakt mit entsprechenden Kleidungsstücken ebenfalls Allergien verursachen.

Eine Berufsgruppe, die aus nahe liegenden Gründen relativ häufig betroffen ist, sind Frisöre. Bei ihnen tritt die Kontaktallergie bevorzugt an den Händen auf. „Frisöre sollten beim Kontakt mit Haarfärbemitteln und anderen Haarkosmetika konsequent Handschuhen tragen“, fordert Fuchs. „Sonst ist eine Kontaktallergie fast vorprogrammiert.“ Neben p-PD und seinen Verwandten gibt es eine Reihe anderer Substanzen in Haarkosmetika, die Allergien hervorrufen können. Eine aktuelle spanische Studie macht allerdings deutlich, dass mehr als die Hälfte der beruflichen Hautprobleme bei Frisören auf p-Phenylendiamin zurückzuführen sein dürften.2

Haarfärbemittel nicht selber auf Überempfindlichkeit testen

Ein allergologisch geschulter Facharzt kann die Allergie gegen p-PD mithilfe eines Hauttests zuverlässig nachweisen. Kritisch sieht Fuchs dagegen den Tipp vieler Hersteller, Haarfärbemittel zunächst an einer kleinen Stelle hinter dem Ohr oder am Unterarm aufzutragen, um selber auszuprobieren, ob man allergisch reagiert. „Dadurch kann eine Sensibilisierung stattfinden und die Allergie überhaupt erst entstehen“, warnt der Allergologe. Weil die Sensibilisierung gegen p-PD nach dem Hautkontakt manchmal sehr schnell erfolgt, raten Allergologen inzwischen sogar davon ab, p-PD routinemäßig in Allergietests an der Haut einzusetzen – denn auch durch den Hauttest kann eine Allergie provoziert werden. „Patienten mit Symptomen sollten nur bei konkretem Verdacht auf eine p-Phenylendiamin-Allergie untersucht werden, also zum Beispiel wenn sie häufig Haarfärbemitteln ausgesetzt sind, nach dem Haarefärben Beschwerden bekommen oder die ihre Haut mit Henna-Tattoos verziert hatten. So lässt sich das Risiko einer Allergieauslösung durch den Allergietest selbst minimieren.“ Ist eine Allergie auf p-PD festgestellt worden, bleibt eigentlich nur eins – man muss der Substanz und verwandten Stoffen konsequent aus dem Weg gehen. Das ist gar nicht so einfach: p-PD ist zum Beispiel oft in schwarzer Kleidung, schwarzen Schuhen, Handschuhen, Portemonnaies, Fahrradgriffen, Lenkrädern und sogar in manchen dunklen Brillengestellen enthalten. „Es gibt immer wieder Ekzeme, die auf den ersten Blick völlig rätselhaft sind“, so Fuchs. „Wer denkt bei Hautveränderungen im Bereich der Brillenbügel schon an p-Phenylendiamin? Da muss man als Allergologe oft richtige Detektivarbeit leisten.“

 

1 Lippert U et al.: Allergologie, Jahrgang 24, Nr. 6/2001: 261-264

2 Valks R et al.: Dermatitis 2005; 16: 28-31

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