Manche
mögen´s nass:
Gesundheitsrisiken durch Schimmel
in der Wohnung
Etwa
ein Liter Wasser gelangt bei jeder Dusche in die Raumluft, ein
weiterer Liter beim Kochen, und noch einmal 1,5 Liter, wenn
die Wäsche trocknet. Zusätzlich verdunstet jeder Mensch pro
Tag ein bis 1,5 Liter über seine Haut und Schleimhäute.1
Ein Dreipersonenhaushalt setzt so täglich bis zu 14 Liter
Wasser frei.2 In Zeiten hermetisch schließender
Fenster und Türen bleibt ein großer Teil dieser Flüssigkeit
in der Raumluft, wenn man nicht richtig lüftet. Dann kann die
relative Luftfeuchtigkeit schnell auf 80 Prozent oder mehr
steigen – ideale Bedingungen für das Wachstum von
Schimmelpilzen. Und weil wir Stubenhocker die meiste Zeit in
den eigenen vier Wänden verbringen – nämlich
durchschnittlich 15,7 Stunden pro Tag3 – beginnt
dann für manche Menschen auch ein langer Leidensweg.
Vielfältige
Gesundheitsgefahren
Bewohner
pilzbelasteter Räume klagen häufig über Husten, Schnupfen,
Bindehautentzündung, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Für einen
Teil dieser Beschwerden sind allergische Reaktionen gegen die
Sporen der Pilze verantwortlich. Zusätzlich können
verschiedene von den Pilzen freigesetzte Giftstoffe Haut und
Schleimhäute reizen, auch ohne dass eine Allergie vorliegt.
Wer in einem pilzbelasteten Umfeld lebt, entwickelt außerdem
häufiger Asthma. Wie eine englische Studie Anfang dieses
Jahres ergab, steigt durch Feuchtigkeit und Schimmel in der
Wohnung das Erkrankungsrisiko für Kinder um mehr als das
Doppelte.4 Allerdings lassen sich nicht alle
beobachteten Fälle von Asthma auf allergische Reaktionen zurückführen.
Es scheinen zusätzlich andere, bisher nicht geklärte
Faktoren eine Rolle zu spielen.5 Indirekt machen
Schimmelpilze auch Hausstaubmilbenallergikern zu schaffen.
„Hausstaubmilben können sich von Pilzen ernähren und benötigen
wie die Schimmelpilze viel Feuchtigkeit. Sie gedeihen deshalb
in pilzbefallenen Räumen besonders gut“, erläutert Frau
Dr. Uta Rabe vom Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen,
Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA)
Rex,
der Schimmelpilz-Spürhund
Die
häufigsten Pilze in Innenräumen sind Aspergillus,
Penicillium und Cladosporium.
Oft erkennt man sie sofort – als hässliche blaue, grüne,
schwarze oder gelbe Flecken oder an ihrem typisch moderigen
Geruch. In weniger eindeutigen Fällen und zur Differenzierung
der verschiedenen Pilzarten helfen mikrobiologische
Untersuchungen. Hierfür werden zum Beispiel Staubproben oder
Proben von einer verdächtigen Wand auf Pilzwachstum
untersucht. Weiß man nicht genau, wo der Schimmel eigentlich
sitzt, kann eventuell des Menschen bester Freund Hilfe
leisten: Speziell ausgebildete Schimmelpilz-Spürhunde sollen
selbst gut versteckte Pilzkolonien erschnüffeln können.
Bei
Verdacht auf Schimmelpilzallergie: zum Facharzt!
„Wenn
Patienten in den eigenen vier Wänden immer wieder über
Schnupfen, Husten und juckende Augen klagen und eine Allergie
auf Hausstaubmilben ausgeschlossen wurde, sollte auch an eine
Schimmelpilz-bedingte Erkrankung gedacht werden“, erläutert
die Allergologin Rabe. „Eine Allergie gegen die Pilzsporen
kann der allergologisch geschulte Facharzt mithilfe spezieller
Tests und einer Blutuntersuchung auf spezifische Antikörper
feststellen. Häufig liegt aber keine Allergie vor, sondern
die Beschwerden sind Folge einer Schleimhautreizung durch
Pilzgifte.“ Und wie lassen sich Erkrankungen durch
Schimmelpilzbefall in der Wohnung behandeln? „Die wichtigste
Maßnahme ist die Sanierung der Wohnung oder gar ein
Wohnungswechsel“, so Rabe. „Leider lassen sich Allergien
gegen die typischen Innenraumpilze noch nicht mit einer
spezifischen Immuntherapie (SIT) behandeln. Bei der Pilzart Alternaria,
die gerne auf Gräsern wächst und Beschwerden meistens im
Sommer und im Freien verursacht, ist man da schon einen
Schritt weiter. Hier stehen standardisierte Extrakte für eine
spezifische Immuntherapie (SIT) zur Verfügung.“ Bei der SIT,
auch Allergie-Impfung genannt, werden den Patienten regelmäßig
geringe Dosen der Substanz, auf die sie allergisch reagieren,
unter die Haut injiziert. Dadurch gewöhnt sich das
Immunsystem an den Allergieauslöser und ruft nach einiger
Zeit keine Abwehrreaktion mehr gegen ihn hervor.
Sanierung
nur nach fachkundiger Beratung
Schon
mehr als 20 Quadratzentimeter Schimmelpilzbefall in der
Wohnung sind nach Angaben des Umweltbundesamtes ein Grund zu
handeln. Bei einem Befall von mehr als 50 Quadratzentimeter
besteht sogar dringender Handlungsbedarf2 – wegen
der vielfältigen Gesundheitsgefahren auch dann, wenn keine
Schimmelpilz-Allergie vorliegt. Vor der Sanierung der Wohnräume
sollte dabei auf jeden Fall eine Ursachensuche erfolgen. Oft
stecken undichte Rohrleitungen, falsche Isolierungen, Risse im
Mauerwerk oder ungenügende Belüftungssysteme hinter der
Feuchtigkeitsbildung. Solche Mängel müssen behoben werden,
sonst kommt der Schimmel sofort nach seiner Beseitigung zurück.
„Die befallenen Flächen einfach mit Fungiziden zu tränken,
also mit Mitteln, die die Pilze abtöten, sorgt nicht für
eine nachhaltige Wirkung“, gibt Diplom-Ingenieur Gunter
Hankammer zu bedenken, Vorstandsvorsitzender des
Bundesverbandes für Schimmelpilzsanierung e.V. (BSS). Die
Sanierung sollte allerdings nur nach fachkundiger Beratung
erfolgen und bei großflächigem Befall einem Spezialisten
vorbehalten bleiben. Anlaufstelle kann hier der BSS sein. Der
Verband organisiert die
bundeseinheitliche Qualifikation und die Zertifizierung von
Sanierungsexperten (Informationen unter www.schimmelpilz.tv).
Ist
keine zügige Sanierung möglich, empfiehlt das
Umweltbundesamt, befallene Stellen übergangsweise mit 70-
(trockene Flächen) bzw. 80-prozentigem (nasse Flächen)
Alkohol zu reinigen und zu desinfizieren. Wichtig bei der
Sanierung: sich selbst schützen. Handschuhe, Mundschutz und
Schutzbrille sind unerlässlich. „Der Transport von
ausgebautem, belastetem Baumaterial zur Entsorgung darf nicht
offen und ungeschützt durch bisher schimmelfreie Bereiche des
Gebäudes erfolgen. Sonst werden die Pilze verschleppt. Der
hieraus resultierende Schaden ist erfahrungsgemäß erheblich
größer, als der Ausgangsschaden, weil sich die Kosten für
eine ausgeweitete Sanierung und Desinfektion oft
vervielfachen“, ergänzt Hankammer. Nach getaner Arbeit
sollte man duschen und die Kleidung waschen.
Schimmelpilzallergiker, Menschen mit chronischen
Atemwegserkrankungen und Abwehrgeschwächte überlassen die
Sanierungsarbeiten lieber anderen Personen.
Lüften
heißt wirklich lüften
Als Nutzer
einer Wohnung kann man selber eine Menge tun, damit kein
Schimmel entsteht. In erster Linie kommt es auf das richtige
Heizen und Lüften an. „Die Luftfeuchtigkeit sollte unter 60
Prozent liegen“, so Rabe. Aber Lüften heißt wirklich lüften:
Um 13 Liter Wasser aus der Wohnung abzuführen, muss man 3.000
Kubikmeter Luft bewegen. Der Luftinhalt der Wohnung sollte
etwa siebenmal täglich komplett ausgetauscht werden! Bewährt
hat sich mehrmaliges Stoßlüften von jeweils 5 bis 10 Minuten
Dauer.
Weitere
Tipps gegen den Schimmel:
·
Im Badezimmer nach dem
Duschen besonders gut lüften und das Wasser vom Fußboden und
von den Wänden wischen.
·
Wenn es im Bad kein
Fenster gibt: Sicherstellen, dass eingebaute Lüftungsanlagen
richtig funktionieren, eingebaute Filter alle 2-3 Monate
auswaschen und einmal jährlich austauschen.
·
Heizung im Bad im
Winter nicht abschalten, sonst wird das Bad zu langsam
trocken.
·
In der Küche sollte
ein Dunstabzug installiert sein, der die Abluft nach draußen
leitet.
·
Auf permanentes
„Kipplüften“ verzichten, weil dadurch die Wandoberflächen
oberhalb und seitlich des Fensters stark auskühlen und das
Wasser an ihnen kondensiert.
·
Möbel an Außenwänden
mit einem Mindestabstand von zehn Zentimetern zur Wand
aufstellen.
·
Generell gilt:
Unterschiedliche Räume nicht ungleichmäßig beheizen. Wer
nachts gerne kühl schläft, sollte das Zimmer tagsüber
trotzdem beheizen, damit die Wände nicht übermäßig auskühlen.
·
Kühlere Räume nicht
durch das Öffnen der Tür zum Rest der Wohnung heizen. Sonst
kondensiert das Wasser aus der warmen Luft an den kalten
Zimmerwänden, und die Wand wird nass.
·
Das Schlafzimmer
gleich morgens nach dem Aufstehen gut durchlüften.
·
Keine Farben oder
Tapeten verwenden, die die Wände luftdicht verschließen.
·
Dicke, raumhohe Vorhänge
wirken als Wärmebarrieren. Man sollte sie nicht vor Fenstern,
Wänden oder in Bereichen mit schlechter Zirkulation
anbringen.
·
Auf Luftbefeuchter
verzichten.
·
Wäsche möglichst
nicht in der Wohnung trocknen, sondern an der frischen Luft
oder auf dem Dachboden.
·
Abfalleimer und
Biotonne häufig leeren.
·
Bei Verdacht auf
Schimmelpilzbelastung der Wohnung Kontakt mit dem
Gesundheitsamt aufnehmen.
1
Verbraucherzentrale Bayern (www.verbraucherzentrale-bayern.de)
2
Hilfe! Schimmel im Haus. Ratgeber des Umweltbundesamtes,
August 2004.
3 Brasche
S, Bischof W: Int J Hyg Environ Health 2005; 208: 247-53
4
Jaakkola JJ et al.: Environ Health Perspect 2005; 113: 357-61
5 Stiefelhagen
P: MMW 2004; 20: 4-6
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Kondensatschaden
in einer Raumecke 1
"Wenn Patienten in den eigenen vier Wänden
immer wieder über Schnupfen, Husten und juckende
Augen klagen, sollte ein Allergologe aufgesucht werden.
Möglicherweise ist eine Allergie gegen Schimmelpilze
in der Wohnung die Ursache", sagt Dr. Uta Rabe,
Treuenbrietzen, vom Ärzteverband Deutscher Allergologen
(ÄDA). "Die wichtigste Maßnahme ist
die Sanierung der Wohnung oder gar ein Wohnungswechsel.
Denn leider lassen sich Allergien gegen die typischen
Innenraumpilze noch nicht mit einer spezifischen Immuntherapie
behandeln." Gegen eine Allergie auf den Pilz Alternaria,
der gerne auf Gräsern wächst und Beschwerden
meistens im Sommer und im Freien verursacht, stehen
dagegen standardisierte Extrakte für eine spezifische
Immuntherapie (SIT) zur Verfügung. Bei der SIT,
auch Allergieimpfung genannt, werden den Patienten regelmäßig
geringe Dosen der Substanz, auf die sie allergisch reagieren,
unter die Haut injiziert. Dadurch gewöhnt sich
das Immunsystem an den Allergieauslöser und ruft
nach einiger Zeit keine Abwehrreaktion mehr gegen ihn
hervor.
1 Foto: Hankammer G, Lorenz W: Schimmelpilze und Bakterien
in Gebäuden;
Rudolf Müller Verlag, Köln 2003
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